person captures woman playing guitar from the camera

16. Januar 2026 • Lesezeit: 12 Min.

So startest du mit Videoanleitungen: 11 Tipps für Technische Redakteure (Teil 1)

Du arbeitest in der Technischen Redaktion und sollst Videoanleitungen verantworten? Dieser Artikel zeigt dir 11 praxiserprobte Tipps, mit denen du typische Stolpersteine vermeidest. Du erfährst, worauf es bei der Planung wirklich ankommt, welche Rollen du klären solltest und wie du von Anfang an für hohe Informationsqualität sorgst. Spoiler: Du musst weder Kamera noch Schnitt beherrschen.

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Florian Kadelbach

yntro

Einleitung

Du arbeitest in der Technischen Redaktion und plötzlich heißt es: „Wir brauchen Videoanleitungen." Vielleicht kommt die Anfrage aus dem Service, vom Produktmanagement oder direkt von der Geschäftsführung. Und du fragst dich: Wo fange ich überhaupt an?

Keine Sorge – du bist nicht allein. Viele Technische Redakteure stehen vor genau dieser Situation. Und die gute Nachricht ist: Du musst kein Filmprofi werden.

Ein wichtiger Punkt vorab: Kamera, Licht, Ton und Schnitt sind Aufgaben für Profis – sie bringen das Know-how und die Erfahrung mit, um diese Arbeiten optimal umzusetzen. Das ist nicht deine Hauptaufgabe.

Deine Stärke liegt woanders: Du verstehst die Inhalte. Du kennst die Zielgruppen. Du weißt, wie man komplexe Informationen strukturiert und verständlich macht. Genau das braucht ein gutes Videoprojekt.

In diesem Artikel geht es deshalb nicht um Kamerawinkel oder Schnittsoftware. Es geht um die Fragen, die du dir stellen solltest, bevor überhaupt jemand auf „Aufnahme" drückt – und um die typischen Stolpersteine, die viele am Anfang unterschätzen.

Tipp 1: Videoanleitung ist kein Marketingvideo

Ein häufiger Stolperstein gleich zu Beginn: Die Grenzen zwischen Instruktion und Marketing verschwimmen.

Die Herausforderung: Sobald in einem Video konkrete Handlungen gezeigt werden, z. B. wie ein Gerät angeschlossen oder eine Komponente montiert wird, gelten dieselben Anforderungen wie bei einer Anleitung:

  • Sicherheitsvorkehrungen müssen eingehalten werden

  • Korrekte Schutzausrüstung muss sichtbar sein

  • Warnhinweise dürfen nicht fehlen

Warum? Weil Nutzende nicht unterscheiden, ob sie gerade ein Marketingvideo oder eine Anleitung sehen. Sie sehen eine Handlung und wollen sie nachmachen. Wenn du im Marketingvideo „lockerer" mit Sicherheitsaspekten umgehst, riskierst du Missverständnisse und im schlimmsten Fall Haftungsprobleme.

Das bedeutet auch: Klare Zuständigkeiten

Die Unterscheidung zwischen Marketing und Instruktion ist nicht nur inhaltlich wichtig – sie bestimmt auch, wer verantwortlich ist:

  • Marketingvideo: Geht es primär um Emotionen, Markenwahrnehmung und Produktinszenierung? Dann liegt die Verantwortung beim Marketing. Als Technischer Redakteur kannst du das Projekt guten Gewissens abgeben.

  • Videoanleitung / Instruktionsvideo: Werden konkrete Handlungen gezeigt, die Nutzende nachmachen sollen? Dann liegt die Verantwortung bei der Technischen Redaktion – mit allen Anforderungen an Sicherheit, Vollständigkeit und Normkonformität.

Diese Abgrenzung solltest du früh im Projekt klären. Sonst landest du in einer Grauzone, in der niemand so richtig verantwortlich ist und am Ende alle unzufrieden sind.

Was du tun kannst:

  • Kläre beim Projektstart: Geht es um Instruktion oder um Marketing?

  • Wenn Marketing: Übergib die Verantwortung

  • Wenn Instruktion: Übernimm die Steuerung (siehe Tipp 2)

  • Wenn Handlungen gezeigt werden, plane sie immer so, als würden Nutzende sie nachmachen – egal in welchem Kontext

So bleibt das Marketing kurz und emotional, und die Anleitung klar, sicher und vollständig. Und jeder weiß, wer wofür verantwortlich ist.

Tipp 2: Übernimm die inhaltliche Verantwortung – das ist dein Job

Was viele am Anfang missverstehen: Videoanleitungen sind Teil der Technischen Kommunikation. Und damit gehören sie in deinen Verantwortungsbereich – nicht ins Marketing, nicht in die IT.

Typische Aufgaben, die bei dir liegen sollten:

  • Konzeption & Storyboard: Zielgruppe definieren, Anwendungsfälle strukturieren, Warnhinweise einplanen

  • Abstimmung mit Fachabteilungen: Produktmanagement, Service und Qualitätssicherung einbinden

  • Begleitung von Dreh und Schnitt: Vollständigkeit prüfen, Terminologie sicherstellen, Sicherheitsaspekte kontrollieren, Reviewschleifen managen

  • Integration in die bestehende Dokumentation: Medienverzahnung planen, Versionierung steuern

Du musst nicht selbst filmen. Aber du solltest die inhaltliche Verantwortung haben. Nur so stellst du sicher, dass das Video nicht nur „schön" aussieht, sondern fachlich korrekt und langfristig nutzbar ist.

Tipp 3: Denke von Anfang an modular

Ein weiterer typischer Stolperstein: Das 25-Minuten-Komplettvideo, das alles abdecken soll.

Ein wichtiger Punkt: Innerhalb eines solchen Videos werden oft mehrere Zielgruppen angesprochen. Die Person, die eine Erstmontage durchführt, ist aber häufig nicht dieselbe, die später die Wartung übernimmt. Ein langes Gesamtvideo zwingt alle, sich durch irrelevante Abschnitte zu kämpfen.

Besser: Ein Video pro Anwendungsfall

Statt einem 25-Minuten-Gesamtvideo zum Mountainbike produzierst du:

  • Erstmontage nach Lieferung (4 Min.)

  • Schaltung einstellen (2,5 Min.)

  • Bremsen justieren (3 Min.)

  • Federgabel anpassen (3,5 Min.)

  • Kette wechseln (4 Min.)

Die 5-Minuten-Regel als Orientierung:

Rund 5 Minuten pro Video sind oft ein guter Richtwert. Aber auch längere Videos können funktionieren, wenn sie ein klares Ziel haben und wenn der Videoplayer eine gute Navigation bietet. Dazu später mehr.

💡 Du hast Ideen für Videoanleitungen, bist aber unsicher, wie du Themen, Module und Verantwortlichkeiten am besten aufbaust?  Gerne bieten wir dir ein kurzes Sparring mit uns an – wir schauen uns dein Konzept oder Storyboard an und helfen dir, es noch zielgerichteter zu gestalten.“

Tipp 4: Kläre Hosting und Einbindung, bevor du drehst

Videoanleitungen existieren nicht im luftleeren Raum. Sie sollen sich in deine bestehende Informationswelt einfügen und genau dort auftauchen, wo sie gebraucht werden.

Fragen, die du früh klären solltest:

  • Wo werden die Videos gehostet? Eigener Webserver, YouTube, Learning Management System (LMS) oder eine integrierte Lösung? Ist ein deutscher Server erforderlich?

  • Wie greifen Nutzende darauf zu? QR-Code am Produkt, Link aus der Online-Anleitung, Service-App oder Kundenportal?

  • Wie verzahnst du Video mit anderen Medien? Ergänzende Textanleitungen, Checklisten, Ersatzteilkataloge?

Wenn du diese Fragen erst nach dem Dreh klärst, landest du schnell in einer Sackgasse oder deine Videos verschwinden in einem isolierten „Video-Bereich", den niemand findet.

Tipp 5: Hole dir Unterstützung für Kamera und Schnitt

Ja, du hast richtig gelesen – und dieser Tipp wird dich überraschen: Es geht nicht darum, selbst zum Filmprofi zu werden, sondern darum, auf Augenhöhe mit Profis zusammenzuarbeiten. So kannst du dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt.

Was du auslagern kannst (besonders bei den ersten Projekten):

  • Kameraarbeit, Licht, Ton

  • Schnitt, Sounddesign und Postproduktion

  • 3D-Animationen, Motion Graphics (animierte Grafiken und Texte)

Was du dabei beachten solltest:

  • Wähle Dienstleister, die Erfahrung mit Technischer Kommunikation haben – nicht nur mit Imagefilmen

  • Nutze interne Synergien: Oft gibt es im Unternehmen bereits Video-Know-how, z. B. im Marketing oder in Schulungsabteilungen. Diese Unterstützung kann hilfreich sein, solange Rollen klar sind und die inhaltliche Verantwortung bei der Technischen Redaktion bleibt.

  • Erstelle einen Videoleitfaden (Corporate Identity, Terminologie, Zielgruppen, Sicherheitskonzept)

  • Plane regelmäßige Feedbackrunden ein: Was hat funktioniert, was lässt sich beim nächsten Mal verbessern?

So baust du intern Video-Kompetenz auf, während Video-Profis die Produktion übernehmen.

Tipp 6: Erst Storyboard und Freigaben

„Storyboard first" ist die Erfolgsformel. Bevor irgendjemand eine Kamera in die Hand nimmt, muss die inhaltliche Planung stehen.

Was ins Storyboard gehört:

  • Struktur der Kapitel und Schritte

  • Entwürfe für Sprechertexte (Ziel, Handlung, Erklärungen, Resultat)

  • Geplante Texteinblendungen und interaktive Elemente

  • Warnhinweise und Sicherheitsaspekte

  • Rollen und Verantwortlichkeiten am Drehtag

  • Freigaben durch Fachabteilungen

Warum das so wichtig ist:

Nachdrehs und Korrekturschleifen sind nicht nur teuer – sie kosten Zeit, interne und externe Ressourcen und vor allem Geduld. Ein sauber abgestimmtes Storyboard vermeidet das von vornherein. Erst wenn Inhalte, Rollen, Ablauf und Ziel klar sind, lohnt sich die Planung von Drehteam, Equipment, Protagonisten.

Teil 2 der 11 Tipps findest du ab Februar 2026 auf unserer Webseite...

Lust auf den nächsten Schritt?

Genau daran arbeiten wir bei yntro jeden Tag mit Technischen Redaktionen. Egal, ob du gerade die ersten Schritte mit Videoanleitungen machst oder deine bestehende Strategie auf das nächste Level bringen willst – wir unterstützen dich dabei.

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